Auf einen Kaffee mit… Ivan Turkalj

11/05/2020 - Xenia Kopf

Ivan Turkalj ist leidenschaftlicher und vielseitiger Cellist, mit Affinität zum Technischen und Organisatorischen. Diese Ader lebt er unter anderem in seiner Tätigkeit für Music Traveler und Klassikal aus. Ivan Turkalj hat Cello im Konzertfach sowie Instrumentalpädagogik studiert und spielt in zwei Ensembles, dem New Piano Trio und den Erlkings.

 

Smart: Ivan, was machst du für Musik?

Ivan Turkalj: Schwer zusammenzufassen. Ich bewege mich in den Feldern Jazz, Klassik, Barock, Kabarett – das New Piano Trio zum Beispiel setzt sich zusammen aus Klavier, Cello und Geige, und mit dieser traditionellen Besetzung machen wir aber einen ganz neuen Sound. Da kann man lange drüber reden, das bringt nichts, man muss es halt hören! (lacht) Wir spielen keine klar benennbare Richtung, sondern zeitgemäße Musik, die einen hohen Anspruch an Musiker und Publikum stellt, und dabei Spaß macht und unterhaltsam ist.

Abgesehen vom eigentlichen Musizieren habe ich mich immer auch gerne mit technischen Dingen beschäftigt, ich übernehme viel von der Organisation und dem Management in den Ensembles, in denen ich spiele.

Wie kam es denn zur Zusammenarbeit mit Smart?

Als ich vor einigen Jahren aus der Schweiz zurück nach Wien gezogen bin, wurde klar, dass ich nicht nur als selbstständiger Musiker arbeiten würde, sondern dazu auch verschiedene Anstellungen unter einen Hut bringen muss.

Portrait Ivan Turkalj © Andrej Grilc

Portrait Ivan Turkalj © Andrej Grilc

Ich habe dann viele Varianten erwogen, wie etwa eine eigene Firma zu gründen und mich selbst anzustellen. Dann habe ich von Smart erfahren, und es war schnell klar: Das ist für dieses Mischverhältnis genau die richtige Lösung. Im Jänner 2017 habe ich mich dann bei Smart anstellen lassen.

Und du bist seit 2017 durchgehend angestellt?

Ja! Und ich habe Smart auch sehr oft weiterempfohlen, weil ich es für eine wirklich gute Lösung halte. Es kostet vielleicht zunächst ein wenig mehr als die Selbstständigkeit, aber einfach diese Ruhe zu haben: Das Geld kommt auf mein Konto und ich muss nicht weiter darüber nachdenken. Dann die Sicherheit der Verträge, und die Möglichkeit, Geld vorinvestieren zu können. Das ist es allemal wert.

Welche Rolle spielt der Gemeinschafts-Aspekt bei Smart für dich?

So etwas braucht Zeit, um zu wachsen. Smart ist relevant, weil es ein Service anbietet und Probleme löst – der nächste Schritt ist, eine Community aufzubauen. Ganz ähnlich ist es mit Music Traveler: Das Ziel ist eigentlich, den Austausch zwischen Musiker*innen zu fördern, aber mit dem konkreten Nutzen, Proberäume miteinander zu teilen.

Für mich und meine Kolleg*innen vereinfacht Smart zum Beispiel Dinge wie Umsatzsteuer, Visa oder Entsendungen. Ich spiele viel im Ausland, da müsste ich einen Anwalt bezahlen, um das alles zu prüfen, und mich mit der SVS unter anderem wegen dem berüchtigten A1-Formular rumschlagen (lacht). Da sind 7,5% schon ein guter Preis. Das heißt, das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auch. Und es gab schon zwei, drei Momente, da war ich sehr froh, dass es Smart gibt, etwa bei einem krankheitsbedingten Ausfall bei einem Festival – weil ich bei Smart angestellt war, habe ich das Geld trotzdem erhalten.

Wie sieht denn dein beruflicher Alltag zwischen Ensembles, Konzerten und den Start-ups aus?

Ivan Turkalj mit New Piano Trio, Festspiele Mecklenburg Vorpommern © Oliver Borchert

Ivan Turkalj mit dem New Piano Trio © Oliver Borchert

Für Music Traveler und Klassikal arbeite ich ca. 30 Stunden pro Woche. Ich übe täglich in der Früh zwei Stunden, das ist meine musikalische Fitness, und dann spiele ich 50 bis 60 Auftritte pro Jahr. Meine Familie bringt mir Wochenenden bei (lacht), früher habe ich an die 160 Konzerte pro Jahr gespielt. Mit dem Piano Trio proben wir gar nicht extra, sondern wir treffen uns für intensive Probewochen. Deswegen können wir uns auch eine halbe Stunde vor dem Konzert treffen und direkt spielen.

Das funktioniert auch nur, weil wir alle unser musikalisches Handwerk beherrschen. Handwerk ist ein breiter Begriff, aber im Wesentlichen die Grundlage, um das auszudrücken, was man ausdrücken möchte. In dem Moment, wo der Vorhang aufgeht, genieße ich einfach!

Ergänzung:

Im Spätsommer 2019 haben wir uns noch im Café getroffen – derzeit noch undenkbar. Wie siehst du die aktuelle Lage zu ‚Corona-Zeiten‘?

Was soll man als Musiker zu dieser Situation sagen? Ohne Sicherheitsnetz eine fatale und existenzbedrohende Zeit, die mich und außnahmslos alle meine Kolleg*innen betrifft. Ich habe mit Smart glücklicherweise eine Organisation, die mich unterstützt und mit allen Mitteln für ihre Mitglieder kämpft. Irgendwie fühlt sich es sich so an, als ob Smart genau für diese Situation geschaffen wurde. Dass sich zusätzlich alle Smart-Organisationen in den neun Ländern, in denen sie aktiv sind, zusammenschließen und für die Schwächeren da sind, ist ein solidarischer Traum!

Für die Zeit nach Corona hoffe ich, dass bestimmte Strukturen überdacht werden und in mehr Zusammenhalt und Zusammenarbeit resultieren. Weniger eigenes Scheffeln und mehr zusammen Aushecken. So wie in Corona-Zeiten – in einer noch nie da gewesenen Art und Weise für einander da sein!

Interview & Text: Xenia Kopf

Titelbild © Igor Ripak

Cellist und Smart-User im Café Wortner © Xenia Kopf

Ivan Turkalj im Café Wortner © Xenia Kopf