Auf einen Kaffee mit… Irene Suchy

03/11/2019 - Xenia Kopf

Irene Suchy ist eine der renommiertesten Fachfrauen Österreichs für Kultur und Musik in Geschichte und Gegenwart. Sie arbeitet unter anderem als Redakteurin bei Ö1, Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten (darunter Kunstuni Graz, KFU Graz, Mozarteum Salzburg und Uni Wien), Ausstellungskuratorin, Dramaturgin, Librettistin und Literatin. Suchy verbindet journalistisches und wissenschaftliches Arbeiten zu einem engagierten Programm, in dessen Zentrum stets das Verhältnis von Kunst und Machtstrukturen steht. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit durch ihre Arbeiten. Sie ist die Obfrau des Vereins maezenantentum.at – Forschungstransfer in Wissenschaft und Kunst, der Träger des EU-Projektes MusicaFemina – women-made Music ist. Mit diesem Verein und dem EU-Projekt ist Irene Suchy seit 2018 SmartAdmin-Userin. Wir haben sie auf einen Kaffee getroffen.

Portraitfoto von Irene Suchy

Irene Suchy © Foto Lounge Vienna

Smart: Ihr Tätigkeitsspektrum ist so vielfältig, dass es kaum auf einen Nenner zu bringen ist. Wie würden Sie Ihr berufliches Profil beschreiben?

Irene Suchy: Ich würde sagen, ich habe ein recht zukunftsträchtiges Profil: Ich besitze keine Macht-Funktion, sondern versuche, Institutionen wie den ORF oder die Unis als Bühne zu nutzen, um historische und gegenwärtige Ungerechtigkeiten des Kulturlebens zu thematisieren. So etwa den strukturellen Sexismus, der in unserem musikalischen Erbe steckt. Ich sehe die Gender-Balance überhaupt als grundlegendes Tool, um umfassende Problematiken wie die Klimakrise oder globale Ernährungsfragen anzugehen. Die Kulturwissenschaften bringen hier meiner Erfahrung nach wenig Impetus, der Journalismus dagegen viel. Gerade bezüglich Geschlechtergerechtigkeit haben die Unis noch viel aufzuholen.

Sie leiten zur Zeit das im Rahmen von Creative Europe – Kultur geförderte Projekt MusicaFemina. Worum geht es dabei und was umfasst dieses Projekt?

MusicaFemina bringt mit Projektpartner*innen aus Slowenien, Ungarn und Deutschland Komponistinnen aus Geschichte und Gegenwart vor den Vorhang – von Fanny Hensel bis Elfriede Jelinek, von Hildegard von Bingen bis Olga Neuwirth. Wir haben eine umfassende Wander-Ausstellung konzipiert, die von einer Serie hochkarätiger Live-Performances begleitet wird. Im künstlerisch-wissenschaftlichen Team sind Bühnen- und Kostümbildnerin Clarisse Maylunas, Grafikerin Aleka Zichy sowie Wolfgang Rauscher für die PR. Für den digitalen Content bringe ich meine Radio-Erfahrung ein, für den Bereich Video arbeiten wir mit Filmemacher*innen zusammen, vor allem mit Su Luschin von Okto TV.

Damit machen wir die substantiellen weiblichen Beiträge zum Musikschaffen endlich angemessen sicht- und hörbar. Besonders stolz sind wir auf die Bandbreite an vertretenen Genres: Filmmusik, Elektronik, Improvisation auf allen Ebenen, aber auch Oper – diese Vielfalt ist einzigartig. Die Ausstellung war bisher im Schloss Schönbrunn in Wien (2018) und im Bildraum Bodensee in Bregenz (2019) zu sehen, für Jänner und März 2020 haben wir zwei Kongresse geplant.

Mit diesem Projekt sind Sie SmartAdmin-Userin. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Cooperative?

Unsere SmartAdmin-Beraterin Angela Vadori unterstützt uns wesentlich in der Finanzplanung, Buchhaltung und Abrechnung, was eine große Erleichterung für unsere Arbeit ist. Mit Smart können wir die erforderlichen Unterlagen – und da gibt es ja sehr strikte Vorgaben – korrekt für das Auditing vorbereiten. SmartAdmin schafft uns so einen guten Überblick für die Budgetplanung. Mit diesem Wissen könnte ich das nächste EU-Projekt schon anders starten.

Freischaffende haben häufig mit Themen wie Finanzierung, Sozialversicherung oder Steuer zu kämpfen. Wie betrachten Sie die Arbeitsbedingungen in ihrem beruflichen Umfeld?

Teilweise mangelt es schlicht an administrativen Kompetenzen: Ich habe schon Honorarnoten ohne Nummer, ohne IBAN und sogar ohne Betrag gesehen. Ich denke, wir Kulturleute sollten das ein wenig besser lernen. Aber vor allem sollten wir auch lernen, so zu planen, dass für uns genug übrigbleibt – wir sind oft so enthusiastisch, dass wir die Geldfrage übersehen. Auch dabei kann uns eine Buchhaltung wie SmartAdmin sehr unterstützen. Erst kürzlich habe ich eine sehr verdiente Person getroffen, die großartige Projekte umsetzt, aber de facto von der Mindestpension lebt und sich Grundlegendes wie eine Zahnsanierung nicht leisten kann. Da denke ich mir: Das muss nicht sein. Man muss nichts mitnehmen in die nächste Welt, aber ein ruhiges Leben sollte sich ausgehen, und zwar inklusive Restaurantbesuch oder Thermenreparatur. Dafür müssen wir wissen, was wir brauchen – und auch, wie wir es einfordern.

Interview & Text: Xenia Kopf

 

Irene Suchy im Radiocafé

Irene Suchy im Radiocafé © Xenia Kopf